Jetzt zählt nicht mehr nur die Geschwindigkeit

Sonntag, 20. Mai 2018 um 21:34 Uhr
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Nach den Erfolgen der Segelflieger vom Geratshof in der ersten und zweiten Segelflugbundesliga in der Vergangenheit war es um den Club bei Ellighofen 2017 etwas ruhiger geworden.
„Keine Angst, uns gibt es schon noch“, so LSV Vorstand Sepp Holzapfel, „wir haben uns jedoch, was unsere sportliche Ausrichtung angeht, neu orientiert: in der Segelflugbundesliga liegt der Fokus des sportlichen Vergleichs auf einem Flug-Zeitfenster von 2,5 Stunden, in dem derjenige die meisten Punkte erhält, der die schnellste Geschwindigkeit fliegt. Hier waren wir über Jahre unter den Top 30 Segelflugvereinen bundesweit“ berichtet Holzapfel.
In den Debriefings nach den Flugtagen bemerkten die Mitglieder des Geratshofer Streckenflugteams nach 8 Jahren Bundesliga Teilnahme eine sinkende Motivation.
„Irgendwie war die Luft raus“ so Günther Siebinger, einer der Top Streckenpiloten des Teams und ergänzt: „Jedes Wochenende an den gleichen bekannten guten Aufwind-Rennstrecken, sei es entlang Schwäbischer Alb, Inntal oder den Hohen Tauern nur auf immer mehr Geschwindigkeitspunkte ausgerichtet entlang zu rasen, war uns einfach langweilig geworden.“ und Teamkollege Richard Paul ergänzt: „Vor lauter Tempofokus und Blick nur noch in Richtung der besten Aufwinde habe ich von der herrlichen Landschaft unter uns oft immer weniger wahr genommen.“
Die Geratshofer Mannschaft entschied sich deshalb ihre sportliche Ausrichtung zu ändern und nimmt seither am internationalen dezentralen Wettbewerb für Streckensegelflug dem „OLC-Plus “ teil. Hierbei werden nach der Landung die per elektronischem Flugschreiber aufgezeichneten Flüge aller weltweit teilnehmenden Piloten auf eine Web-Plattform, den sogenannten Online Contest hochgeladen und pro geflogenen Kilometern Punkte vergeben, die Geschwindigkeit bleibt eher ein Nebenprodukt. Im Voraus konkret geplante Flüge, wie zum Beispiel ein Flug von Landsberg zum Matterhorn und zurück, werden dabei höher bepunktet, als ein Flug, bei dem sich der Pilot vorher nicht festlegt, einfach den besten Aufwinden folgt und das Ergebnis erst am Ende des Tages feststeht.
„Gerade die Herausforderung, eine vorher fest geplante Strecke schaffen zu wollen, hat uns neue Motivation gegeben, weil man dabei nicht nur den besten Aufwinden folgen kann, sondern sich regelmäßig durch Abschnitte mit schwachen oder keinem Aufwind hindurch arbeiten muss, dabei viel dazu lernt und seine Grenzen erweitert“ so Holzapfel und er ergänzt: „Gleichzeitig versuchen wir uns bei der Streckenauswahl möglichst interessante Ziele mit hohem Erlebniswert auszusuchen.“ So kamen mittlerweile Flüge zu Stande, bei denen die Geratshofer zum Beispiel die Wasserkuppe in der Rhön, den Ursprungsberg des Segelfliegens, mit den Alpen verbunden haben oder in einem Rutsch entlang der höchsten Berge der Alpen von der Bernina über das Matterhorn bis hin zum Mont Blanc entlang flogen. „Das sind Flüge, die man nicht vergisst“ schwärmt Holzapfel.
Die Bilanz der Geratshofer Segelflieger der aktuellen Saison bis zum 30.04. kann sich bereits sehen lassen: bei 62 Flügen kamen die 14 Piloten des Streckenflugteams auf insgesamt 28601 Kilometer und belegten unter den international teilnehmenden 1253 Segelflieger Clubs in der Weltrangliste Platz 91.
Platz 1 unter den Geratshofer Piloten belegt Richard Paul mit 13990 km bei 16 Flügen, gefolgt von Sepp Holzapfel mit 3470 km bei 11 Flügen und Günther Siebinger mit 2361 km bei 7 Flügen. Die Rangliste der Jugendlichen führt die 17 jährige Julia Steinle aus Kaufering an, mit 535 km bei 2 Flügen. Einer der interessantesten Flüge gelang Sepp Holzapfel im Föhnsturm Mitte April: hierbei gelang es ihm nach dem Start am Geratshof besondere Wellenaufwinde zu finden, in denen er in 6000 m Höhe weit über den Alpen und den Wolken eine Strecke von 506 Kilometern zurücklegen konnte.
Die bestplatzierten deutschen Clubs stand Ende April: Das Segelflugzentrum Königsdorf, in dem sechs große Clubs aus München zusammengeschlossen sind, belegt mit 134200 km Weltranglistenplatz 3, gefolgt vom Alpenflugzentrum Unterwössen im Chiemgau mit 104000 km und dem LSR Aalen, ebenfalls ein Zusammenschluss mehrerer Clubs auf der schwäbischen Alb mit 101900 km. je, Foto: Plansee je


Aktualisiert ( Sonntag, 20. Mai 2018 um 21:39 Uhr )