Der Traum vom Fliegen am Geratshof wird 25!

Donnerstag, 14. Juni 2018 um 07:40 Uhr
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„Unglaublich, dass das schon wieder 25 Jahre her ist!“ – Sepp Holzapfel, Vorstand und Gründungsvater der Landsberger Segelflieger vom Geratshof kommt es fast noch wie gestern vor, wenn er an den Eröffnungsstart am Flugplatz bei Ellighofen vom 23. April 1993 denkt. 25 Jahre, in denen sich die „Bieridee“ zu einem in den Top 100 der Segelflugweltliga mitspielenden Segelflugclubs entwickelt hat.
Denn in der Tat hat der Flugplatz Geratshof mit dazugehörigem Verein seinen Ursprung an einem Biertisch: für einige sportlich ambitionierte Segelflieger der Sportfluggruppe in Penzing herrschten am Militärplatz damals zu viele Einschränkungen für das Streckenfliegen. „Ein wesentlicher Punkt war, dass der militärische Betrieb dort damals unter der Woche keinen Segelflugbetrieb erlaubte“ so Holzapfel.
Am Biertisch kam die zunächst nicht ganz ernst gemeinte Idee auf, doch einen reinen Segelflugplatz südlich von Landsberg auf einer der Fluren des Gutes Geratshof, dass Sepp Holzapfel gehört, zu bauen.
„Diese Idee hatte von Anfang an viel Charme für mich“ erzählt Holzapfel- „Welcher Pilot träumt nicht vom eigenen Flugplatz vor der Haustüre“. Es wurde allerdings schnell klar, dass man hier nicht nur ein privates Prestigeobjekt aus dem Boden stampfen wollte, sondern wenn, dann einen Verein, der den Flugsport sowie die Jugendarbeit und - entwicklung fördert.
Schritt für Schritt wurde die Idee Anfang der 90iger Jahre konkreter: der LSV Geratshof wurde von 10 enthusiastischen Piloten gegründet und auf dem Lageplan des landwirtschaftlichen Sitzes ausgesucht, welche der Fluren man so zusammenlegen könnte, dass man daraus optimal einen Segelflugplatz gestalten könnte. Viele Dinge mussten dabei berücksichtigt werden: Welche Ausrichtung müsste so ein Gelände haben, damit es zu den gängigen Windrichtungen in der Region passt? Stehen zukünftigen Starts und Landungen eventuelle Hindernisse im Wege? Wo findet sich eine Kombination von Äckern, die die für Segelflugwindenstarts nötige Platzlänge von einem Kilometer ergibt und ausreichend Abstand von Ortschaften hat? Südlich der Kontrollzone des Flugplatzes Penzing sollte es auf jeden Fall liegen, damit ein Hauptziel der Segelflieger, nämlich viel und weit in den Alpen zu fliegen ungehindert und leicht möglich wäre.
All diese Anforderungen erfüllte ein Bereich zwischen Ellighofen und Unterdießen nordöstlich des Geratshofes. Lagepläne mussten angefertigt, Anträge gestellt, Genehmigungen eingeholt, Absprachen mit Penzing getroffen und Fragen und Bedenken der umliegenden Anwohner der Stadt Landsberg und der Gemeinde Unterdießen beantwortet und geklärt werden. Im April 1993 kam die Genehmigung und Abnahme des Geländes durch das Luftamt Südbayern und mit ihr dann der erste Windenstart: „Das war einfach ein wahnsinniger und unvergesslicher Moment“ schwärmt Holzapfel mit glänzenden Augen.
Seither hat sich der Club auf dem herrlich in der Natur gelegenen Sportgelände südlich von Landsberg kontinuierlich entwickelt und ist auf rund 80 Mitglieder angewachsen, davon sind etwa ein Drittel Jugendliche, da man segelfliegen bereits mit 14 Jahren beginnen kann. 23 Segelflugzeuge, ein Motorsegler und eine Schleppwinde sind am Flugplatz zur Zeit stationiert, 1995 wurde die Flugzeughalle und 1999 das Vereinsblockhaus jeweils in Eigenleistung gebaut, so dass allen Segelflugbegeisterten eine Infrastruktur für das lautlose Hobby über den Wolken zur Verfügung steht, die mittlerweile Fliegerclubs aus ganz Deutschland bei Gastbesuchen schätzen. Neben Jugendförderung ist sportliche Spitzenleistung eines der Hauptziele der Geratshofer Segelflieger, was sich von Anfang an mit Platzierungen auf den vorderen Plätzen bei nationalen und internationalen Meisterschaften zeigt. Der Team-Vizeweltmeistertitel von Jens Becker von 2010 ist bisher einer der größten Erfolge aus den Reihen der LSV Mitglieder.
„In Summe fliegen unsere Mitglieder Jährlich zwischen 70.000 und 90.000 Kilometern mit unseren Segelflugzeugen lautlos durch unser herrliches Voralpenland und die Berge“ so Holzapfel, die längsten Flüge gehen dabei vom Geratshof aus am Stück über 1000 km weit, nur von den durch die Energie der Sonne erzeugten Aufwinden.

Im Bereich der Jugendarbeit ist der LSV Geratshof eine feste Kenngröße im Landkreis: bereits zwei mal fand das bayerische Landes-Luftsportjugendtreffen mit jeweils über 300 Teilnehmern am Geratshof statt und vor zwei Jahren das Jugendvergleichsfliegen Südbayerns. Regelmäßig organisiert die Jugendgruppe Projekttage für die Schulen im Umkreis oder ermöglicht Jugendlichen im Rahmen des Ferienprogramms der Stadt Landsberg einen Blick auf ihre Heimat. Nachwuchssorgen kennt man bei so viel Aktivität am Geratshof nicht: „Wir haben unseren Flugzeugpark vergangenes Jahr deshalb um zwei der modernsten Segelflugzeugtypen erweitert“ berichtet Holzapfel und ergänzt „Beide Flugzeuge haben einen kleinen Hilfsmotor, um bei aussetzenden Aufwinden zurück zum Flugplatz fliegen zu können – in die Bedienung dieses Motors mussten unsere Mitglieder neu eingewiesen werden, was temporär zu einem etwas erhöhten Gebrumme im Flugplatzbereich geführt hat – schon jetzt vielen Dank an die umliegende Bevölkerung für ihr Verständnis.“

Mit einer Jubiläumsfeier feiern die Geratshofer Segelflieger deshalb 25 Jahre Traum vom Fliegen am Samstag, den 23. und Sonntag, den 24. Juni jeweils von 10 – 18 Uhr im Hangar am Flugplatz bei Ellighofen. Alle Flugplatzinteressierten, alle Anwohner und Gäste sind herzlich eingeladen und willkommen. Im Hangar wird an den Nachmittagen gegrillt und es gibt Kaffee und Kuchen. Am Sonntag Vormittag findet um 10:30 eine Feldmesse mit Flugzeugtaufe statt und es spielt der Musikverein Unter- Oberdießen. Darum herum gibt es viele Informationen über das Segelfliegen, verschiedene Segelflugoldtimer und moderne Segelflugzeuge können hautnah bewundert werden und es findet Flugbetrieb statt.